20. März 2026
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Ein Trauerspiel

Trauerhalle in Henrichenburg seit rund einem Jahr nicht mehr nutzbar

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„Viele Leute sind aus der Kirche ausgetreten, Beerdigungen sind oft nicht mehr konfessionsgebunden. Dann braucht man einen Ort, an dem eine Trauerfeier abgehalten werden kann“, weiß Bestatter Ludger Bialas. Mit der Trauerhalle auf dem Friedhof an der Hedwig-Kiesekamp-Straße hat Henrichenburg so einen Ort – zumindest theoretisch, denn die Trauerhalle ist seit rund einem Jahr geschlossen. Ludger Bialas sagt: „Die Stadtverwaltung hat sie über Jahre vergammeln lassen!“


Der Bestatter hatte die Trauerhalle seit dem Jahr 2017 gemietet. „Der Mietvertrag mit der Stadt lief über fünf Jahre und ist anschließend immer um jeweils ein Jahr verlängert worden. Die Vereinbarung lautete, dass ich die inneren Räume nutzbar mache und die Stadt für das Gebäude verantwortlich ist. Ich habe innen renoviert, mich um neue Bestuhlung gekümmert und eine digitale Friedhofsglocke in den Glockenturm eingebaut. Ich dachte, wir bringen es in Henrichenburg auf Vordermann“, so Bialas. Die Stadt habe jedoch keine Arbeiten am Gebäude durchgeführt. „Es ist nichts passiert!“ Unter anderem sei der Putz von der Wand gebröckelt, es gebe lose Steinplatten und Feuchtigkeit im Keller. Ende 2022 sei in die Trauerhalle eingebrochen worden. Dabei sei eine Scheibe mit Bleiverglasung eingeschlagen worden. „Sie wurde bis heute nicht repariert.“


Im März letzten Jahres sei dann ein Bauzaun um die Trauerhalle gestellt worden. „Die Stadtverwaltung begründete dies damit, dass die Halle nicht mehr sicher sei. Die Verkehrssicherungspflicht müsse gewährleistet sein. Angeblich sollte der Glockenturm nicht mehr fest sein. Ich bin Tischlermeister: Zu diesem Zeitpunkt war er in einwandfreiem Zustand!“, meint Bialas.


Bis zur Errichtung des Bauzauns sei er Mieter der Trauerhalle gewesen. „Immer wieder haben mich die Leute gefragt, warum ich denn meine Halle nicht instand setzen würde. Aber es ist nicht meine Halle, sondern ein städtisches Gebäude“, betont Bialas.


Es könne Bialas‘ Trauerhalle werden, habe ihm Bürgermeister Rajko Kravanja in einem Gespräch im Mai 2025 angeboten. Er sei interessiert gewesen, die Halle zu kaufen, sagt Ludger Bilas. Man habe ihm jedoch nie ein konkretes Kaufangebot unterbreitet. Er habe immer wieder nachgefragt. Bei einem Ortstermin sei gesagt worden, dass die Halle komplett marode sei und habe die notwendigen Renovierungskosten mit 120.000 Euro beziffert. „Dafür kann man die Trauerhalle abreißen und neu bauen“, ist Ludger Bialas überzeugt.


Er habe seinerseits einen Architekten hinzugezogen. „Die Pläne liefen“, sagt Bialas. Kosten seien entstanden. Vom EUV Stadtbetrieb sei er monatelang vertröstet worden. Im Dezember habe man ihm gesagt, dass es im Januar klappen werde. Seitdem habe er nichts mehr gehört.


„Ich hätte Geld ausgegeben und die Halle wieder fertiggemacht. Für Henrichenburg tut es mir leid“, erklärt Ludger Bialas. „Wo gibt es für Hinterbliebene die Möglichkeit, eine Trauerfeier abzuhalten?“, fragt er. Die Stadt habe erklärt, die Henrichenburger könnten dazu nach Ickern oder Habinghorst. „Das ist doch keine Option“, meint Bialas.


Dass es im November 2025 zu Vandalismus an der Trauerhalle kam, überrascht Ludger Bialas nicht wirklich. Unbekannte hatten versucht, das Kreuz auf dem Glockenturm der Trauerhalle zu entwenden. Dabei wurde es massiv beschädigt. Zudem wurden Schäden an der Eindeckung und am Turm verursacht. Ebenfalls wurde die Jesusfigur von dem Hochkreuz des Friedhofs entwendet.


„Mit Blick auf den Bauzaun und das Dixi-Klo dachten die Diebe vermutlich: ‚Wir holen uns noch das Kupfer, bevor die Halle abgerissen wird‘“, meint Bialas. Auch er vermutet, dass die Stadt die Trauerhalle abreißen lassen wird.


Was sagt der EUV Stadtbetrieb zu der Thematik? Dieser ist mittlerweile zuständig, weil der Bereich Stadtgrün und Friedhofswesen seit Anfang des Jahres 2025 offiziell dem EUV zugeordnet ist. „Die Stadt hat weiterhin ein grundsätzliches Interesse daran, das Gebäude zu erhalten“, erklärt EUV-Sprecherin Sabine Latterner. Unter den „derzeitigen Rahmenbedingungen“ sei eine Sanierung jedoch gebührenrechtlich und wirtschaftlich „leider nicht vertretbar. Ein Abriss ist jedoch nicht vorgesehen.“


Hat die Stadt jahrelang nichts am Gebäude getan? „In der Vergangenheit konnten aus finanziellen Gründen lediglich die notwendigsten Instandsetzungsarbeiten vorgenommen werden“, so Sabine Latterner. Nach der Übernahme des Bereichs sei gemeinsam mit einem beauftragten Architekturbüro eine umfassende Bestandsaufnahme aller Friedhofsflächen und -gebäude durchgeführt worden. Dabei seien in Henrichenburg deutliche Mängel festgestellt worden, unter anderem ein durchfeuchteter Keller sowie ein stark sanierungsbedürftiger Glockenturm. „Diese Schäden lassen – insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Unwetterereignisse wie Starkregen – eine verkehrssichere Nutzung derzeit leider nicht zu. Aus diesem Grund wurde die Trauerhalle vorsorglich mit einem Bauzaun abgesichert“, sagt die EUV-Sprecherin.


Und warum unterbreitete man Ludger Bialas nie ein Kaufangebot, nachdem man ihm angeboten hatte, die Trauerhalle zu erwerben? „Bezüglich des Interesses am Erwerb des Gebäudes war vereinbart, zunächst ein Nutzungskonzept einzureichen. Sobald ein entsprechendes Konzept vorliegt, kann die weitere Prüfung erfolgen.“


„Das Nutzungskonzept ist, die Trauerhalle als solche zu nutzen“, sagt Ludger Bialas. Dies sei der Stadtverwaltung auch hinlänglich bekannt, denn er habe seine Pläne mehrfach in Gesprächen dargelegt. „Würde ein ernsthaftes Interesse bestehen, hätte man mir sagen müssen, dass ich es schriftlich einreichen muss.“


Ob es noch zu einer Einigung zwischen Stadt und Bestatter kommt, bleibt abzuwarten.


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Autor

Nina Möhlmeier

Nina Möhlmeier

Freie Mitarbeiterin